Artikel der Ausgabe 1005
Christian Engelmann: max. 1 Minute

Christian Engelmann: max. 1 Minute

Abbildung erschienen in KUNST Magazin Ausgabe Mai 2010

Bockende Bänke im Park - Zur Ausstellung „Luise. Inselwelt der Königin“

Katharina Helwig

Schon zu Lebzeiten war Luise Gegenstand heftiger Verehrung, nach ihrem frühen Tod 1810 kannte die mythische Verklärung kein Halten mehr. Das Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg wurde zum Wallfahrtsort, in Berlin begegnet man der Schönen auf Schritt und Tritt, nicht nur in den Souvenirläden. Seit Neuestem ist sie auch an Bushaltestellen und Litfaßsäulen zu sehen, als sexy „It-Girl“ im nassen T-Shirt, als energische „Working Mom“ oder als „Fashion Victim“ mit schickem Kopfputz. Ihren 200. Todestag nahm die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zum Anlass, an die populärste Figur der preußischen Geschichte mit drei Ausstellungen in einer Hommage zu erinnern. 2010 ist Luisenjahr: Neben der Ausstellung im Charlottenburger Schloss, die Leben und Mythos der Königin nachzeichnet, und der Schau im Schloss Paretz, die Luises Gewandung gewidmet ist, erlaubt der Skulpturenpfad auf der Pfaueninsel einen Blick in ihr verwunschenes Rückzugsgebiet mit Schlösschen.

Die Lustinsel in der Havel, heute Teil des Unesco-Welterbes, war Schauplatz allerlei wunderlicher Vorkommnisse. Ein Alchimist experimentierte im 17. Jahrhundert mit Rubinglas, König Friedrich Wilhelm II. ließ ein sogenanntes Schmuckdorf samt Meierei bauen, Peter Josef Lenné schuf nach Luises Tod einen seiner berühmten Landschaftgärten und schaffte exotische Tiere und Pflanzen an, die der Insel den Ruf einbrachten, Berlins ersten Zoo zu beherbergen. Auch heute passieren unvorhergesehene Dinge. Wer auf einer der Parkbänke Rast macht und sich auf gemütliches Verweilen eingestellt hat, der wird vielleicht unsanft aus seinen Träumen und auf die Erde befördert. Nach „max. 1 Minute“ bockt das Parkmöbel von Christian Engelmann und wirft den Sitzenden entschieden ab. Hoch mit den müden Knochen und weiter zur nächsten Installation „en passant“ und den Schachfiguren der Kanadierin Sylvie Bussières, die verstreut in der Nähe des Schlosses stehen, ein Sinnbild des königlichen Inventars. Türme, Pferde, Läufer und – die Königin als mächtigste Figur mit Freifahrtschein in jede Richtung. Heute sind von Berlins erstem Zoo nur noch die wunderschönen, aber entsetzlich keifenden Pfauen übrig geblieben. Der spanische Künstler Joan Fontcuberta sorgt für Gesellschaft in Form von noch nie gesehenen Arten, Monstern und Mutanten, vom fiktiven Professor Ameisenhaufen erforscht und „wissenschaftlich“ aufbereitet und in der großen Volière zu bestaunen. Auf der Liegewiese zwischen Kavalierhaus und Acker hat Michael Lukas, der gleichzeitig auch Kurator der Freiluftausstellung ist, das Holzparkett des Inselschlösschen mit Sportbahnenbelag nachgebildet und bringt mit der strengen Ordnung des „Parkett“-Musters draußen alles in Unordnung. Robert Stieve war vom unverarbeiten Holz fasziniert, das die Insel mit ihrem jahrhundertealten Eichenbestand bietet. Mit 100 überdimensionalen Eicheln, aus Beton gegossen und wie vom Winde verweht, richtet er das Augenmerk auf den symbolhochträchtigen Baum und seine Bedeutung in der (deutschen) Geschichte, die gerade zu Luises Zeiten eine martialische war. Davon berichtet auch die Hortensien-Armee von Martin Weimar, der den Luisentempel mit großen Hortensien gefüllt hat. Die je nach Säuregehalt des Bodens rosa uoder blau blühenden Pflanzen waren Luises Lieblingsblumen. War sie etwa auch ein „Flower-Power-Hippie“?

Luise. Die Inselwelt der Königin
Luise – The Island World of the Queen
Berlin, Pfaueninsel (Peacock Island)
1. Mai–31. Oktober 2010

Adresse und Verkehrsanbindung
Address and Route
Pfaueninsel, Nikolskoerweg, 14109 Berlin
von | from Berlin: S7 bis Wannsee; Bus 218 bis Fähranleger
von | from Potsdam: Tram 93 bis Glienicker Brücke;
Bus 316 bis Nikolskoer Weg; Bus 218 bis Fähranleger
Parkplätze am | Parking space available at Nikolskoerweg

Öffnungszeiten Pfaueninsel | Opening Hours:
Mai–August: tgl. 8–21h, September: tgl. 9–19h, Oktober: tgl. 9–18h | May–August: daily from 8am–9pm, September: daily from 9am–7pm, October: daily from 9am–6pm
Parkgebäude und Meierei | Park building and dairy:
Mai–Oktober: tgl. 10–17h | May–October: daily from 10am–5pm
Schloss: Mai–September: tgl. außer Mo 10–18h, Oktober: tgl. außer Mo 10–17h, Besichtigung nur mit Führung
Letzter Einlass jeweils ½ Stunde vor Schließzeit
Palace: May–September: daily except Mondays from 10am–6pm, October: daily except Mondays from 10am–5pm (only open for guided tours), last entrance one half hour before closing
Eintritt:
Inselticket/Sonderausstellung: 5 €, ermäßigt 4 €
inkl. Fähre, Eintritt Parkgebäude und Meierei.
Der Schlossbesuch (mit Führung, 3 €, ermäßigt 2,50 €) ist nicht im Preis enthalten. Bei Vorlage dieses Tickets (regulärer Preis) erhalten Sie ermäßigten Eintritt in die Luise-Ausstellungen im Schloss Charlottenburg und im Schloss Paretz.
Familienticket: 10 € (2 Erwachsene, 3 Kinder bis 16 Jahre)

Admission:
Island ticket / Special Exhibition: 5 €, students/seniors 4 €
including ferry, admission to the park building and the dairy.
Palace (with guided tour, 3 €, students/seniors 2,50 €) is not included. If you bring your ticket with you (regular price), you will get a  discount on the admission to the Luise Exhibition at the Charlottenburg Palace and at the Paretz Palace.
Family ticket: 10 € (2 adults, 3 children 16 years of age or under)
Veranstaltungsprogramm
Das Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung finden Sie unter: www.spsg.de/kalender
www.spsg.de/LUISE2010

Event calendar:
You will find the event calendar for the exhibition at:
www.spsg.de/kalender
www.spsg.de/LUISE2010