Die Organisatoren platzieren sich bei der Pressekonferenz vor einem der Marktstände im Erfrischungsraum: Kristian Jarmuschek, Ralf Schmitt, Rüdiger Lange, Creixell Espilla-Gilart (v.l.n.r.)
Gestern morgen war der Fußweg zur PREVIEW noch recht spärlich ausgeschildert und verlangte uns einen etwas längeren Fußmarsch entlang des ehemaligen Flughafen Tempelhof ab. Doch wir haben es pünktlich zur Eröffnung der PREVIEW Berlin 2010 geschafft. Dezent einfallendes Tageslicht sorgt für eine angenehme Atmosphäre in Hangar 2, erfreut erspähen wir bequeme Sitzgelegenheiten aus den Augenwinkeln, außerdem versprechen die Veranstalter, die Wegbeschilderung zu optimieren. Zeit für einen ersten kurzen Rundgang über die Messe.
Galeristin Michaela Stock und Marko Zink
Koje mit Motto: Unter dem Titel “Wunderkammer der Menschlichkeit” präsentiert Wiener Galeristin Michaela Stock paraffinüberzogene Tierplastiken von Michael Nitsche, neonbunt leuchtende Installationen von Hans Kotter und analoge Panoramafotografien von Marco Zink. Eigentlich wollten Galeristin und Künstler als Anspielung auf Zinks Fotoserie “Tragödien: Im Wald” mit Masken posieren, doch die haben sie leider in Wien gelassen. Mitgebracht haben sie dafür den Katalog mit einem Text von Elfriede Jelinek, der von Zinks Fotos ausgehend entstand. Mäandernd tastet sich Jelinek wie Hänsel und Gretel in den (Foto-)Wald hinein, trifft dort aber nicht auf ein unheilbringendes Hexenhaus, sondern auf skurrile Tiergestalten.
Peter Wilde vor Arbeiten von Evol und Madeline Stillwell in der Koje der Galerie Wilde
Recycling für die Kunst: Der Bauschutt, der sich um Madeline Stillwells Videoinstallation gruppiert, ist die Hauptrequisite in ihren bis zu sechs Stunden dauernden Performances. Bis zu sechs Stunden verlangen diese (qual)vollen Körpereinsatz von der Künstlerin. Der Galerist Peter Wilde posiert auf unserem Bild vor Arbeiten von EVOL, der seit 2004 Stromkästen in Plattenbauten verwandelt. Manchen Leuten hat es jedoch nicht gereicht, dass ihnen das Straßen-Eyecandy einen kurzen Schmunzelmoment im Stadtverkehr beschert hat. Peter Wilde erzählt, dass irgendwann komplette Stromkastenhüllen geklaut wurden. EVOL arbeitet jetzt auch auf Pappe und recycelt Verpackungsmaterial des Kunstrahmenherstellers Max Aab.
EVOLs “Plattenbauten” verleiten manche Kunstfreunde zu einer großzügigen Interpretation von Eigentumsverhältnissen im öffentlichen Raum (wir ahnen: schließlich muss das Eliasson Fahrrad mit den Spiegelspeichen auch irgendwo angelehnt werden können…)
Ruben Schmitt (links) malt Bilder für die Mehr-Generationen-Koje
Ralf Schmitt, einer der PREVIEW-Direktoren, modifiziert die Vorgabe der Messe, in keiner Koje mehr als vier Künstler auszustellen. “MyVisit.to” ist eine Mehr-Generationen-Koje, die die künstlerischen Arbeiten von vier Generationen der Familie Schmitt zeigt. Sohn Ruben produziert die jüngsten Werke, die ältesten stammen von Schmitts Oma. Seine eigenen Arbeiten widmen sich dem Thema Kunsterziehung. Wie lernen Kinder verschiedene Techniken und Materialien kennen? “MyVisit.to” demonstriert nicht nur die Genealogie der Familie Schmitt, sondern spürt auch nach, wie sich der Kunstunterricht an deutschen Schulen seit Anfang des 20. Jahrhunderts gewandelt hat.











